1. Kurzbeschreibung des Schadensbildes (max. 6 Sätze)

Im Schlafzimmer (Außenwand Nord, Baujahr 1992) zeigen sich Verfärbungen und Putzabplatzungen unterhalb des Heizkörpers sowie entlang der Heizkörpernische. Unterhalb der Fensterbank ist lokal Schimmelbewuchs an der Innenseite der Außenwand bis ca. 0,5 m Breite beschrieben. Im Bereich der Außenwand wird eine muffige Geruchsauffälligkeit angegeben. Die Messwerte zeigen gegenüber der Innenwand-Referenz deutlich reduzierte Innenoberflächentemperaturen an Außenwand, Laibung und Nischenrand. Der Heizkörper ist in einer Nische angeordnet und teilweise durch Möblierung (Bettkopfteil < 10 cm) in der Konvektion behindert.

2. Bauphysikalische Einordnung (Wärmebrücke, Oberflächentemperaturen, Feuchteniveau)

Die gemessenen Innenoberflächentemperaturen liegen an der Außenwand unter der Fensterbank (14,8 °C), links der Nische (15,2 °C) und insbesondere an der Fensterlaibung (13,9 °C) deutlich unter der Raumlufttemperatur (20,5 °C). Die Innenwand-Referenz zeigt 19,5 °C und damit erwartbar höhere Oberflächentemperaturen. Bei 20,5 °C und 55–56 % r. F. liegt der Taupunkt der Raumluft bei ca. 11,1 °C; Tauwasser im engeren Sinn ist bei den gemessenen Oberflächentemperaturen nicht zwingend, jedoch ergibt sich an den kühlen Bereichen eine hohe oberflächennahe relative Feuchte (rechnerisch ca. 77–84 %). Damit sind Wärmebrücken-/Randzonen (Fensterlaibung, Heizkörpernische, Brüstungsbereich) bauphysikalisch als kondensationsbegünstigte Zonen einzuordnen, insbesondere bei zeitweiligen Feuchtespitzen (z. B. nachts im Schlafzimmer) und reduzierter Luftanströmung. Zusätzlich sind ältere Putzrisse im Brüstungsbereich als potenzieller Eintrittspfad für Schlagregenfeuchte grundsätzlich relevant, ohne dass damit aus den vorliegenden Daten bereits ein Durchfeuchtungsnachweis verbunden ist.

3. Wahrscheinlichste Ursache(n) des Wasserschadens
a) Nutzungsbedingte Faktoren

Möblierung/Überstellung nahe der Außenwand/Heizkörpernische (Bettkopfteil < 10 cm) reduziert Luftumspülung und lokale Oberflächenerwärmung; dadurch steigt das Risiko für erhöhte oberflächennahe r. F. und mikrobielle Besiedlung.

Lüftungsregime (1–2×/Tag Stoßlüften je ca. 5 min) kann im Schlafzimmer ausreichend sein, erfasst aber typische nächtliche Feuchtespitzen nicht; bei solchen Spitzen werden die kühlen Randzonen überproportional belastet.

Heizwirkung in der Nische kann durch die Nischengeometrie und Teilüberstellung lokal gemindert sein (geringere Konvektion/Strahlungsanteile in Randbereichen).

b) Konstruktive / bauwerksbedingte Faktoren

Wärmebrücken-/Randzoneneffekte an Fensterlaibung und Heizkörpernische sind aufgrund der deutlich reduzierten Oberflächentemperaturen plausibel (kritischster Messpunkt: Laibung 13,9 °C).

Älteres Holzfenster mit 2-fach-Verglasung (1992) begünstigt im Laibungs-/Anschlussbereich niedrigere Oberflächentemperaturen und damit erhöhte Oberflächenfeuchten.

Außenputzrisse im Brüstungsbereich sind als möglicher Pfad für Schlagregenfeuchte technisch zu berücksichtigen (sekundäres Szenario), insbesondere wenn Risse in das System (Putz/WDVS-Anschlussdetails) hineinwirken.

Leitungsleckage ist nach Aktenlage nicht angezeigt (keine sichtbaren Spuren an Durchführungen), kann jedoch bei Schadenslage „unter Heizkörper/Nische“ ohne gezielte Prüfung nicht vollständig ausgeschlossen werden.

4. Bewertung des Risikos für Schimmelwachstum (niedrig / mittel / hoch)

Risiko: hoch. Begründung: Es ist bereits sichtbarer Schimmelbewuchs beschrieben, und die Messwerte zeigen in den betroffenen Randzonen deutlich abgesenkte Oberflächentemperaturen mit rechnerisch hoher oberflächennaher relativer Feuchte (insbesondere an der Laibung). In Verbindung mit potenziellen Feuchtespitzen im Schlafzimmer und reduzierter Luftbewegung durch Möblierung sind wiederkehrend schimmelrelevante Oberflächenbedingungen überwiegend wahrscheinlich.

5. Sinnvolle ergänzende Prüfungen

Leckageprüfung Heizkörper/Heizkreis (Druckhaltung/Abgleich, Sichtprüfung Anschlüsse, ggf. Feuchteindikationen im Estrichbereich der Vorlaufleitung).

Feuchtegradient/Materialfeuchte im Putz/Mauerwerk der Schadenszone (orientierend zerstörungsarm, bei Bedarf punktuell bauteilöffnend zur Klärung „oberflächennah“ vs. „durchfeuchtet“).

Kurzzeit- und Langzeitmonitoring (Logger) von Raumklima sowie oberflächennaher Temperatur/r. F. in kritischen Bereichen (unter Fensterbank, Laibung, hinter/nahe Möblierung), um Feuchtespitzen und Dauerbelastung zu quantifizieren.

Thermische Untersuchung (z. B. Thermografie in Heizperiode) zur Lokalisation von Wärmebrücken/Unterkühlungszonen im Bereich Laibung/Nische/Brüstung.

Fassaden- und Anschlussdetailprüfung im Bereich der beschriebenen Putzrisse (Rissbild, Schlagregenbeanspruchung, Anschlussfugen Fensterbank/Laibung), ggf. ergänzende Feuchteindikation von außen.

Hygienische Verifikation bei sichtbarem Schimmel: gezielte Probenahme/Abklatsch nach gängigen Schimmelleitfäden zur Einordnung des Befallsumfangs (optional, abhängig vom Sanierungsziel).

Dieser Textbaustein ist ein technischer Vorschlag des Assistenzsystems. Die fachliche Prüfung, Plausibilisierung und abschließende Verantwortung liegen ausschließlich beim ausführenden Sachverständigen.