1. Kurzbeschreibung des Schadensbildes (max. 6 Sätze)
Im Schlafzimmer (Außenwand Nord) zeigen sich Verfärbungen und Putzabplatzungen im Bereich unter dem Heizkörper sowie entlang der Heizkörpernische. Unterhalb der Fensterbank ist lokal (bis ca. 0,5 m Breite) sichtbarer Schimmelbefall an der Innenseite der Außenwand beschrieben. Zusätzlich wird ein muffiger Geruch im Bereich der Außenwand angegeben. Die Messpunkte an Außenwand/Fensterlaibung weisen gegenüber der Raumluft deutlich reduzierte Oberflächentemperaturen auf. Die Nutzung (Heizen 20–21 °C, Stoßlüften 1–2×/Tag) ist als grundsätzlich üblich angegeben, bei gleichzeitig teilweiser Überstellung des Heizkörperbereichs durch Möbel.
2. Bauphysikalische Einordnung (Wärmebrücke, Oberflächentemperaturen, Feuchteniveau)


Wärmebrücken-/Abkühlzonen: Die Oberflächentemperaturen an der Außenwand unter der Fensterbank (14,8 °C), links der Nische (15,2 °C) und besonders an der Fensterlaibung (13,9 °C) liegen deutlich unter der Innenwand-Referenz (19,5 °C) bei gleicher Raumlufttemperatur (20,5 °C). Das ist konsistent mit geometrischen/anschlussbedingten Wärmebrückeneffekten (Fensterlaibung, Brüstungs-/Nischenbereich) und mit reduzierter konvektiver Anströmung im überstellten Bereich.


Feuchteniveau / Oberflächenfeuchte: Aus Raumluft 20,5 °C und 55–56 % rF ergibt sich rechnerisch ein Taupunkt von ca. 11,2–11,4 °C. Bei den gemessenen kalten Oberflächen resultiert rechnerisch eine oberflächennahe relative Feuchte von ca. 79–83 % (Fensterlaibung am höchsten). Damit ist das mikrobiologische Risiko lokal erhöht, auch wenn unter den Momentanbedingungen keine unmittelbare Tauwasserbildung zwingend ist (Oberflächen lagen ca. 2,8–3,8 K über Taupunkt).


Zusatzhinweis aus Befundlage: Putzabplatzungen und Verfärbungen im Nischen-/Heizkörperbereich sprechen für wiederkehrende oder länger anhaltende Feuchtebeanspruchung (Kondensationsereignisse und/oder Feuchteeintrag), die über reine kurzzeitige Oberflächenkondensation hinausgehen kann.


3. Wahrscheinlichste Ursache(n) des Wasserschadens
a) Nutzungsbedingte Faktoren


Möblierung/Überstellung (mitursächlich plausibel): Bettkopfteil < 10 cm vor der Außenwand bzw. im Bereich der Heizkörpernische kann die Luftzirkulation und lokale Erwärmung der Oberfläche reduzieren. Dies begünstigt niedrigere Oberflächentemperaturen und damit erhöhte Oberflächenfeuchten insbesondere in Rand- und Nischenbereichen.


Feuchteproduktion/Spitzen (möglich, datenbegrenzt): Trotz üblicher Heiz-/Lüftangaben sind kurzfristige Feuchtespitzen (z. B. nachts bei geschlossener Tür, Wäschetrocknung im Raum o. Ä.) als begünstigender Faktor nicht auszuschließen, sind jedoch nicht belegt, da keine Langzeitdaten vorliegen.


b) Konstruktive / bauwerksbedingte Faktoren


Wärmebrücke im Fensteranschluss/Laibung und Nischenbereich (wahrscheinlich): Die deutlich niedrigeren Oberflächentemperaturen an Laibung und Brüstungs-/Nischenzone gegenüber der Innenwand-Referenz stützen ein konstruktives Untertemperaturniveau in diesen Bereichen (geometrischer Effekt, Anschlussdetails, ggf. Alterungs-/Ausführungsdetails bei Bestand 1992).


Feuchteeintrag von außen über Fassadenrisse/Anschlüsse (wahrscheinlich bis möglich): Die Angabe „ältere Putzrisse im Brüstungsbereich“ erhöht plausibel das Risiko von Schlagregen-/Feuchteeintrag in den sensiblen Bereich unter der Fensterbank bzw. im Brüstungsfeld. Dies passt qualitativ zu Verfärbungen/Abplatzungen und lokaler Schimmelbildung; eine Bestätigung erfordert jedoch Objektprüfung/Messung.


Leckage Heizungsleitung/Anschluss (möglich, derzeit nicht belegt): Es sind keine sichtbaren Feuchtespuren an Leitungsdurchführungen beschrieben; dennoch bleibt eine verdeckte Leckage (Vorlauf im Estrich, Anschlusssituationen) als technische Mitursache möglich und sollte ausgeschlossen werden, da das Schadensbild im Heizkörper-/Nischenbereich liegt.


4. Bewertung des Risikos für Schimmelwachstum (hoch / mittel / hoch) mit kurzer Begründung
Risiko: hoch. Begründung: Sichtbarer Schimmelbefall ist bereits vorhanden, und die Messwerte zeigen lokal deutlich reduzierte Oberflächentemperaturen (bis 13,9 °C) mit rechnerisch erhöhter oberflächennaher relativer Feuchte (ca. 79–83 %). In Kombination mit eingeschränkter Anströmung (Überstellung) und dem möglichen zusätzlichen Feuchteeintrag über Fassadenrisse/Anschlüsse ist eine wiederkehrende kritische Oberflächenfeuchte in den betroffenen Zonen plausibel.
5. Sinnvolle ergänzende Prüfungen


Ausschluss Leckage: Heizungsanlage/Leitungsführung im Bereich Heizkörpernische und Estrich (Druckprüfung, Feuchteindikationen entlang Leitungsverlauf, ggf. endoskopische Kontrolle an Anschlusspunkten).


Feuchtemessungen im Bauteil: Rastermessung (oberflächennah) sowie materialbezogene Feuchte-/Salzindikationen an Putz/Mauerwerk im Brüstungs- und Nischenbereich; bei Bedarf kleinflächige bauteilöffnende Untersuchung zur Schicht-/Durchfeuchtungsabgrenzung.


Außenprüfung Fassade/Fensteranschluss: Sicht- und Detailprüfung der Putzrisse im Brüstungsbereich, Fensterbank-/Anschlussfugen, Schlagregenschutz/Anschlussausbildung; bei Bedarf gezielte Beregnungsprobe an kritischen Anschlüssen.


Thermografie / Oberflächentemperatur-Mapping: IR-Thermografie unter geeigneten Randbedingungen (Heizperiode, ausreichende Temperaturdifferenz) zur Lokalisierung von Wärmebrücken und Feuchteanomalien.


Langzeitmonitoring Raumklima: Datenlogger (Temperatur/rF) im Schlafzimmer über mind. 2–4 Wochen inkl. Nutzungsprotokoll, um Feuchtespitzen und korrespondierende Kondensationsrisiken an kritischen Oberflächen zu verifizieren.


Dieser Textbaustein ist ein technischer Vorschlag des Assistenzsystems. Die fachliche Prüfung, Plausibilisierung und abschließende Verantwortung liegen ausschließlich beim ausführenden Sachverständigen.